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Rückblick: Shakespears’ Macbeth im Stadttheater Bern

Alumni UniBE Corporate
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12.12.2023

Alumni UniBE besuchte letzten Freitag die ausverkaufte Vorstellung von Macbeth im Stadttheater Bern. Es erwartete uns eine gelungene Inszenierung dieser düsteren Tragödie von William Shakespeare, die von Machtgier, Ehrgeiz, Schuldgefühlen und blutigen Schlachten handelt. Das im Jahre 1606 uraufgeführte Stück erhält vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Ereignisse einen ungeheuerlich zeitlosen Charakter und zeigt auf, wie unveränderbar der Mensch ist, sind doch auch heute Machtgier und Mordlust treibende Kräfte in unserer Welt.  

Das ‹schottische Stück› spielt im 11. Jahrhundert in Schottland. Der Heerführer Macbeth erhält nach einer siegreichen Schlacht von den unruhestiftenden ‹Schicksalsschwestern› prophezeit, dass er der nächste König sein werde. So sieht Macbeth völlig unvermutet eine Gelegenheit zur Macht, ermordet den schottische König Duncan und löst durch diesen Mord Chaos und nicht enden wollende Machtkämpfe im königlichen Schottland aus. Erst durch den Tod von Macbeth und durch die Ernennung des rechtmässigen Thronfolgers, Prinz, welche die göttliche Ordnung wieder herstellt, wird diese Dynamik aufgelöst. «Im Übergang zu einer neuen Zeit setzt sich am Ende nur das alte System durch». 

 

 

Nach der Aufführung durften die Alumni Mitglieder im Nachgespräch von der stellvertretenden Schauspieldirektorin Felicitas Zürcher und der Theaterwissenschaftlerin Alexandra Portmann mehr zum Hintergrund und der Inszenierung vernehmen. Bei diesem Gespräch erfuhren wir beispielsweise, dass auf dem ‹schottischen Stück› ein Fluch lastest: Man sage, es geschähen mysteriöse Dinge bei den Proben von Neuinszenierungen. Felicitas Zürcher bestätigte dies, denn auch bei den Proben ihrer Inszenierung waren sie mit ungewöhnlich vielen Krankheitsfällen und seltsamen Unfällen konfrontiert. Deshalb solle man es auch vermeiden, den Namen des Stückes zu nennen und so spräche man vom ‹schottischen Stück›. 

«Das Credo der Hexen bringt die Geschichte um Macht, Gier und Verrat ins Rollen: ‹Schön ist wüst, und wüst ist schön!›. Fortan sind alle Regeln aufgehoben, das Unmögliche möglich», schreibt Bühnen Bern in der Beschreibung des Stückes auf ihrer Internetseite.  

 

 

Alexandra Portmann erklärte, wie viel Interpretationsspielraum in der Wahrnehmung der Hexen liegt. Die ‹weird sisters›, oder Schicksalsschwestern, stossen mit ihrem anarchistischen Spieltrieb die Handlung an und schüren das Chaos. In dieser Inszenierung wurde dies mithilfe einer Drehbühne versinnbildlicht, die von den Hexen angestossen wurde. Sie missbrauchen ihre übernatürlichen Kräfte um die göttliche Ordnung zu verletzten: «Fair is foul, and foul is fair. Hover through the fog and filthy air».  

In den Hexen sieht Portmann den Schlüssel für eine feministische Analyse des Stückes. Sie sind die Repräsentation einer Welt ‹upside down›. Ihre uneindeutige, mehrdeutige Sprache löst die nachvollziehbare Ordnung von Vergangenem, Gegenwärtigem und Zukünftigem auf. Selbst ihr Geschlecht ist nicht eindeutig und ihr plötzliches Erscheinen und Verschwinden löst Zweifel aus, ob sie nun existieren oder nicht.  

 

 

«Schauspieldirektor Roger Vontobel erzählt in einer Fassung der Anglistik-Professorin und renommierten Shakespeare-Expertin Elisabeth Bronfen die Geschichte eines Mannes, dessen Chance gar nie hätte kommen dürfen». Die Neuübersetzung von Macbeth der Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen, auf der diese Neuinszenierung basiert, sei sehr präzise, so Felicitas Zürcher. Im Gegensatz zu früheren Übersetzungen, die sich jeweils eher auf das Politische oder das Poetische konzentrierten, berücksichtige diese Neuübersetzung sehr viele verschiedene Aspekte und zeige gut Shakespeares Mehrdeutigkeit.  

Insgesamt blicken wir auf einen gelungenen, lehrreichen Abend zurück und wir empfehlen allen, die das Stück noch nicht gesehen haben, dies nicht zu verpassen. Es lohnt sich auf jeden Fall.