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Der Science Slam Bern an der Museumsnacht 2026
Alumni UniBE Corporate
27.03.2026
Der Science Slam Bern war 2026 erneut Teil der Museumsnacht und zog, wie schon im Vorjahr, zahlreiche Zuschauer in den gut gefüllten historischen Schultheissensaal der Bibliothek Münstergasse in Bern. Durch die drei Slam-Duelle führte die sympathische Moderatorin Franziska Burger, selbst ehemalige Science Slammerin. Sie gab dem Publikum zunächst einen kurzen Einblick in die Geschichte des Saals, erklärte anschliessend das Duell-Format und leitete schliesslich zur Vorstellung der Slammenden über. Die Gewinner*innen wurden jeweils direkt im Anschluss an die Duelle durch den Applaus des Publikums gekürt.

Den ersten Slam eröffnete Simona Procacci. Der Schultheissensaal ist für Simona ein vertrauter Ort: Hier schrieb sie ihre Bachelorarbeit und bereitete sich auf Prüfungen vor. Mit einem Augenzwinkern erzählt sie, dass sie einmal nicht für eine Kernphysikprüfung gelernt hatte und von ihren Mitstudierenden aufgezogen wurde, als sie eine Banane auspackte, die angeblich radioaktiv sei.

In ihrem Science Slam «Shining» erklärt sie dem Publikum die Temperaturmessung im Universum. Sie zeigt anschaulich die Bedeutung von Strahlung als sich fortbewegende Energie und macht mit viel Humor deutlich, dass das Universum früher wärmer war als heute. Mit speziell entwickelten Thermometern lässt sich diese Temperaturentwicklung sogar messen.
Im Duell gegen Simona trat Jonas Biedermann an. In seinem Slam «Was steckt in der Stimme?» wird die Stimme zum Hauptverdächtigen in seinem Kriminalfall als Audiodetektiv. Anhand eines einzigen Wortes zeigte er, dass Menschen Frequenzen unterschiedlich wahrnehmen: Während einige «Laurel» hören, nehmen andere «Yanny» wahr.

Mithilfe eines Spektrogramms wurde das Wort analysiert und sichtbar gemacht, dass mehrere Frequenzen gleichzeitig erklingen. Menschen, die «Laurel» hören, fokussieren sich dabei eher auf die tieferen Töne (Grundfrequenz), während diejenigen, die «Yanny» wahrnehmen, ihr Augenmerk auf die höheren Töne und die sogenannten Formanten, konzentrierte Energiebereiche im Klangspektrum, richten.
Jonas gewann das Slam-Duell gegen Simona Procacci.

Daniel Angerhausen startete das zweite Slam-Duell. Daniel nahm in seinem Slam «KI sucht ET … auf dem Mond» das Publikum mit in die Forschung zur Suche nach Technosignaturen, also technologischen Spuren im Weltall, oder in seinen Worten: die Suche nach extraterrestrischer Intelligenz (SETI). Er wies darauf hin, dass die erste Aluminiumfahne auf dem Mond, eines der ersten Experimente der Apollo-Mission, in Bern gebaut und sogar vor der amerikanischen Flagge aufgestellt wurde.

Anhand von Pokémon-Bildern erklärte er, wie KI bei der Suche nach Technosignaturen eingesetzt wird: Bilder werden in einen Autoencoder eingespeist, der sie möglichst originalgetreu rekonstruiert. Werden jedoch neue, unbekannte Bilder eingegeben, entsteht ein sogenannter Reconstruction Loss, Abweichungen, die auf Anomalien hinweisen.
Sein Fazit: Die Erforschung, Erkundung und mögliche Besiedlung des Mondes sollte als gesellschaftliche Aufgabe diskutiert werden und nicht nur einer finanzstarken Gruppe überlassen bleiben.

Daniel stand Sonja Schöneberger als Duellpartner gegenüber. Sonja beschäftigt sich seit acht Jahren mit dem Thema Fleischkonsum. In ihrem Science Slam «250 kg Warheit – Die Enthüllung eines Rindes über unsere Tomatenwelt» erzählte sie von einer prägenden Begegnung mit einem Stierkalb, das geschlachtet wurde, ein Erlebnis, das sie erstmals so direkt miterlebte und das einen starken Eindruck bei ihr hinterliess.
Ausgehend davon verwies sie darauf, dass in der Schweiz jährlich rund 80 Millionen Tiere geschlachtet werden. Sie stellte die Frage, was wäre, wenn wir vom reinen Konsum zum aktiven Mitgestalten übergehen würden: wenn Mensch, Tier und Natur im Einklang miteinander leben und in einem Kreislauf verbunden sind, in dem gegenseitige Rücksicht im Zentrum steht.

Sonja hat das zweite Slam-Duell gewonnen.
Reto Nardini eröffnete das dritte Duell des Abends mit seinem Slam «Erleben: alltäglich und unaussprechlich» und machte deutlich, dass sich Erleben nicht immer in Worte fassen lässt, eindrucksvoll untermalt durch eine Cello-Einlage.

Dabei führte er das Publikum auf poetische Weise durch seine Auseinandersetzung mit «Erfahrungen» und gelangte zu seiner zentralen Erkenntnis: Was nur im Moment erfahrbar ist, wie etwa die Musik, entzieht sich der Sprache und dem rein intellektuellen Zugriff und bleibt letztlich ein unmittelbares Erlebnis.
Sein Duellgegner Simon Graf knüpfte mit seinem Slam «Recht verständlich» daran an und machte deutlich, wo künstliche Intelligenz bei der Auslegung von Recht an ihre Grenzen stösst.

Veranschaulicht wurde dies anhand der Frage, ob man mit dem Fahrrad eine Runde durch eine Bibliothek drehen darf. Er brachte sein Fahrrad mit und drehte damit eine Runde auf der Bühne.

Sein Slam zeigte auf, wie KI sprachlich sehr schnell wiedergeben kann, was einzelne Begriffe ohne Kontext bedeuten, sobald aber die Begriffe in Zusammenhang gebracht werden und eine Interpretation einer spezifischen Situation erfragt wird, diese nicht Sinn macht oder keine in sich stimmige Lösung ergibt, welche man auf einen Fall anwenden könnte.

Das dritte Slam-Duell wurde von Simon gewonnen.
Der Science Slam an der Museumsnacht entstand in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek und war einmal mehr ein rundum gelungener Programmpunkt der Veranstaltung.





