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Eine Berner Ärztin in der Weltraummedizin
Alumni UniBE Corporate
26/05/2026
Interview mit Jessica Studer
En français ci-dessous
Vom Konzertflügel in die Antarktis und schliesslich in die Weltraummedizin: Jessica Kehala Studer absolvierte zunächst einen Master in Music Pedagogy (Klavier), bevor sie ein Medizinstudium aufnahm. Sie engagierte sich in Analogmissionen wie Asclepios und forschte mit der französischen Raumfahrtagentur CNES. Heute arbeitet sie als Ärztin am Institut für Weltraumphysiologie und Medizin (MEDES) in Toulouse, zuvor war sie ein Jahr lang als von der ESA unterstützte Forschungsärztin auf der antarktischen Station Concordia tätig.
Können Sie sich kurz vorstellen: Wer sind Sie, was machen Sie heute beruflich, und wie sind Sie dorthin gekommen?
Mein Name ist Jessica Kehala Studer. Heute arbeite ich als Ärztin am Institut für Weltraumphysiologie und Medizin (MEDES) in Toulouse, in Frankreich. Mein beruflicher Werdegang verlief allerdings eher unkonventionell. Nach der Matura widmete ich mich zunächst der Musik und schloss einen Master in Music Pedagogy mit Schwerpunkt Klavier an der Hochschule der Künste in Bern ab. Gleichzeitig wurde mir jedoch bewusst, dass mich neben der Kunst auch die Wissenschaft, insbesondere die menschliche Physiologie fasziniert. Aus diesem Interesse heraus habe ich anschliessend Medizin studiert – zunächst in Fribourg und später in Bern. Während des Studiums engagierte ich mich intensiv in der Analogmission Asclepios. Bei Analogmissionen handelt es sich um Simulationen von Raumfahrtmissionen auf der Erde, bei denen Technologien, medizinische Konzepte und die menschliche Leistungsfähigkeit unter extremen Bedingungen untersucht werden. Parallel dazu konnte ich bereits im Bereich «Human Health and Performance» forschen, unter anderem in Zusammenarbeit mit der französischen Raumfahrtagentur CNES. Später erhielt ich die Möglichkeit, als von der ESA unterstützte Forschungsärztin ein Jahr an der Concordia-Station in der Antarktis zu verbringen – einem der extremsten und isoliertesten Orte der Welt und zugleich einem der wichtigsten Analogmodelle für zukünftige Langzeitmissionen im Weltraum.
Welche Erinnerungen haben Sie an Ihr Medizinstudium in Bern, sowohl in akademischer als auch in persönlicher Hinsicht?
Mein Medizinstudium in Bern war eine äusserst bereichernde Zeit, sowohl in akademischer als auch in menschlicher Hinsicht. Besonders schätzte ich die Ausgewogenheit zwischen wissenschaftlicher Strenge und der menschlichen Dimension der Medizin. Die Ausbildung verband von Beginn an Theorie mit praktischer Arbeit mit Patientinnen und Patienten. Diese Zeit war zudem von einem eher ungewöhnlichen Werdegang geprägt. Ich stammte aus der Welt der klassischen Musik und entdeckte nach und nach die Welt der Medizin und der Weltraumforschung für mich. Während meines Studiums widmete ich meine Wochenenden und Ferien oft Projekten im Zusammenhang mit analogen Missionen und der Weltraummedizin. Die Universität Bern ermöglichte es mir gerade, diese verschiedenen Dimensionen meines Werdegangs zu integrieren und in Einklang zu bringen. Ich habe diese Offenheit sehr geschätzt, die mir die Möglichkeit gab, einen weniger konventionellen Weg einzuschlagen und gleichzeitig sehr unterschiedliche Interessen zu verfolgen. Das erforderte viel Organisation und Engagement, aber diese Erfahrung hat mir vor allem gezeigt, dass man keinen perfekt geradlinigen Werdegang einschlagen muss, um seinen Weg zu finden und eine passende Karriere aufzubauen,
Bern bietet zudem ein aussergewöhnliches Studienumfeld: eine menschliche Stadt, umgeben von Natur und zahlreichen Grünflächen, in der die Aare fast schon zu einem unverzichtbaren Ort wird, um sich nach langen, besonders intensiven Prüfungsphasen zu erfrischen und zu entspannen.
«...diese Erfahrung hat mir vor allem gezeigt, dass man keinen perfekt geradlinigen Werdegang einschlagen muss, um seinen Weg zu finden und eine passende Karriere aufzubauen,...»
Was fasziniert Sie an der Weltraummedizin am meisten?
Die Weltraummedizin ist tatsächlich ein Nischengebiet, aber genau das macht sie so faszinierend. Sie verbindet Wissenschaft, Technologie, Exploration und den Menschen auf einzigartige Weise. Die Erforschung des Unbekannten ist tief in unserer menschlichen Natur verankert und war früher für unser Überleben notwendig. Heute ermöglicht sie uns, über das reine Überleben hinauszugehen. Sie eröffnet neue Perspektiven, inspiriert Menschen und zwingt uns, unsere Vorstellungen von dem, was möglich ist, zu überdenken. Gerade an den Grenzen des Bekannten entstehen oft die grössten Innovationen. Heute stehen wir an der Schwelle zu einer neuen Ära der Exploration: Die Rückkehr zum Mond wird konkret vorbereitet, und gleichzeitig öffnet die kommerzielle Raumfahrt den Zugang zum All für eine deutlich breitere Gemeinschaft als noch vor wenigen Jahrzehnten. Diese Entwicklung wirft völlig neue medizinische Fragestellungen auf. Der Weltraum ist eine extreme Umgebung: Isolation, Strahlung, Mikrogravitation, eingeschränkte Ressourcen und grosse Distanz zur Erde stellen den menschlichen Körper und die Psyche vor enorme Herausforderungen. Gerade deshalb ist Weltraummedizin auch für die Erde unglaublich wertvoll. Technologien und medizinische Innovationen, die ursprünglich für den Weltraum entwickelt wurden, können später in abgelegenen Regionen, in der Notfallmedizin oder sogar im Alltag eingesetzt werden. Extreme Umgebungen zwingen uns dazu, einfacher, effizienter und innovativer zu denken. Mich persönlich fasziniert genau diese Verbindung zwischen Exploration und Innovation – und die Frage, wie wir Menschen gesund und leistungsfähig halten können, selbst unter den extremsten Bedingungen.
Sie waren ein Jahr auf der Station Concordia, um dort die Auswirkungen extremer Bedingungen auf den menschlichen Körper zu erforschen. Wie unterscheidet sich die medizinische Versorgung in einer abgelegenen Forschungsstation von der Arbeit in einem «normalen» Spital?
Das Leben auf Concordia bedeutet nicht nur Leben unter extremen Umweltbedingungen, sondern auch, in nahezu vollständiger Autonomie zu leben. Aufgrund der Temperaturen und Wetterbedingungen ist während rund neun Monaten keine Evakuierung möglich – selbst im medizinischen Notfall nicht. Allein dieses Wissen verändert vieles: die Vorbereitung, die medizinischen Protokolle, aber auch das psychologische Erleben einer Mission. Prävention spielt deshalb eine zentrale Rolle. Alle Crewmitglieder werden vor der Mission medizinisch und psychologisch sehr gründlich untersucht. Vor Ort lernt man dann nicht nur, mit der extremen Umgebung und mit limitierten Ressourcen umzugehen. Im Gegensatz zu einem klassischen Krankenhaus kann man nicht einfach Spezialisten hinzuziehen oder komplexe Infrastruktur nutzen. Deshalb müssen die Abläufe klar, robust und möglichst einfach sein. Regelmässige Trainings und Simulationen von Krisensituationen gehören ebenfalls zum Alltag. Dadurch entsteht gleichzeitig eine sehr starke Teamdynamik. Jeder weiss, dass man aufeinander angewiesen ist – technisch, medizinisch und menschlich.
Gibt es eine Erfahrung oder Anekdote aus der Antarktis, die Sie nie vergessen werden und die Sie mit uns teilen möchten?
Nach einem Jahr in der Antarktis sammeln sich natürlich unzählige Erinnerungen und Anekdoten an – von kleinen alltäglichen Momenten bis hin zu Situationen, die man wohl nur in einer so extremen Umgebung erlebt, wie etwa den Verlust eines Teils der Fingerkuppe, weil die Blutsamples bei minus 80 °C eingefroren sind. Während der Polarnacht entwickelte sich beispielsweise selbst der nächtliche Abwasch manchmal zu einer kleinen improvisierten «Disco», da solche gemeinsamen Rituale für die Teamdynamik und die Moral unglaublich wichtig sind. Eine der eindrücklichsten Erfahrungen war wahrscheinlich unser inoffizieller Temperaturunterschiedsrekord: von einer kleinen Sauna in einem Container bei ungefähr plus 90 °C direkt hinaus in Temperaturen von etwa minus 96 °C. Das ist natürlich absolut nichts zur Nachahmung. Am meisten geprägt hat mich jedoch etwas anderes: Trotz der extremen Isolation hatte ich oft das Gefühl, dass es dort weniger Grenzen gibt als im normalen Alltag. In einer auf den ersten Blick lebensfeindlichen Umgebung entsteht gleichzeitig ein erstaunliches Gefühl von Klarheit, Fokus und Präsenz im Moment. Vielleicht gerade deshalb, weil das Leben dort auf das Wesentliche reduziert wird.
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Entretien avec Jessica Studer
Du piano à queue à l’Antarctique, puis à la médecine spatiale : Jessica Kehala Studer a d’abord obtenu un master en pédagogie musicale (piano) avant de se lancer dans des études de médecine. Elle s’est engagée dans des missions analogues comme Asclepios et a mené des recherches avec l’agence spatiale française, le CNES. Aujourd’hui, elle travaille comme médecin à l’Institut de physiologie et de médecine spatiales (MEDES) à Toulouse. Auparavant, elle a passé un an dans la station antarctique Concordia en tant que médecin chercheuse soutenue par l’ESA. Pourriez-vous vous présenter brièvement : qui êtes-vous, quelle est votre activité professionnelle actuelle et comment en êtes-vous arrivée là ?
Je m'appelle Jessica Kehala Studer. Je travaille aujourd'hui comme médecin à l'Institut de médecine et physiologie spatiales (MEDES) à Toulouse, en France. Mon parcours professionnel est toutefois assez atypique. Après la maturité, je me suis d’abord consacrée à la musique et j’ai obtenu un master en pédagogie musicale avec une spécialisation en piano à la Haute école des arts de Berne.
Au même moment, j’ai toutefois pris conscience que, en plus de l’art, la science et en particulier la physiologie humaine me fascinaient. C'est ce qui m'a poussée à étudier la médecine, d'abord à Fribourg, puis à Berne. Pendant mes études, je me suis fortement impliquée dans la mission analogue Asclepios. Les missions analogues sont des simulations de missions spatiales sur Terre, au cours desquelles on étudie les technologies, les concepts médicaux et les capacités humaines dans des conditions extrêmes. En parallèle, j’ai pu mener des recherches dans le domaine de la santé humaine et de la performance, notamment en collaboration avec l’agence spatiale française, le CNES. Plus tard, j’ai eu l’opportunité de passer un an à la station Concordia en Antarctique en tant que médecin chercheuse soutenue par l’agence spatiale européenne (ESA), l’un des endroits les plus extrêmes et les plus isolés au monde, mais aussi l’un des modèles analogues les plus importants pour les futures missions spatiales de longue durée.
Quels souvenirs gardez-vous de vos études de médecine à Berne, tant sur le plan académique que personnel ?
Mes études de médecine à Berne ont été une période extrêmement enrichissante, tant sur le plan académique qu’humain. Ce que j’ai particulièrement apprécié, c’est l’équilibre entre la rigueur scientifique et la dimension humaine de la médecine, avec une formation qui associait non seulement la théorie, mais aussi très tôt une approche pratique au contact des patientes et patients. Cette période a également été marquée par un parcours assez atypique. Je venais du monde de la musique classique tout en découvrant progressivement celui de la médecine et de la recherche spatiale. Pendant mes études, je consacrais souvent mes week-ends et mes vacances à des projets liés aux missions analogues et à la médecine spatiale. L’Université de Berne m’a justement permis d’intégrer et de concilier ces différentes dimensions de mon parcours. J’ai beaucoup apprécié cette ouverture, qui m’a donné la possibilité de développer un chemin moins conventionnel tout en poursuivant des intérêts très variés. Cela demandait beaucoup d’organisation et d’investissement, mais cette expérience m’a surtout appris qu’il n’est pas nécessaire de suivre un parcours parfaitement linéaire pour trouver sa voie et construire une carrière qui nous ressemble. Berne offre également un cadre d’études exceptionnel : une ville à taille humaine, entourée de nature et de nombreux espaces verts, où l’Aar devient presque un lieu incontournable pour se rafraîchir et décompresser après de longues périodes d’examens particulièrement intenses.
Qu'est-ce qui vous fascine le plus dans la médecine spatiale?
La médecine spatiale est effectivement un domaine de niche, mais c’est précisément ce qui la rend si fascinante. Elle réunit de manière unique la science, la technologie, l’exploration et l’humain. L’exploration de l’inconnu est profondément ancrée dans la nature humaine. Autrefois, elle était avant tout nécessaire à la survie. Aujourd’hui, elle nous permet d’aller bien au-delà du simple fait de survivre. Elle ouvre de nouvelles perspectives, inspire les individus et nous pousse à repenser ce qui est possible. C’est souvent aux frontières du connu que naissent les plus grandes innovations. Nous nous trouvons aujourd’hui à l’aube d’une nouvelle ère de l’exploration : le retour vers la Lune se concrétise progressivement, tandis que le développement du spatial commercial rend l’accès à l’espace accessible à une communauté bien plus large qu’il y a encore quelques décennies. Cette dynamique soulève des questions médicales entièrement nouvelles. L’espace est un environnement extrême : isolement, radiations, microgravité, ressources limitées et grande distance avec la Terre représentent des défis considérables pour le corps humain et la santé mentale. C’est précisément pour cette raison que la médecine spatiale est également extrêmement précieuse pour la Terre. Les technologies et innovations médicales développées initialement pour les missions spatiales peuvent ensuite être appliquées dans des régions isolées, en médecine d’urgence ou même dans notre quotidien. Les environnements extrêmes nous obligent à penser de manière plus simple, plus efficace et plus innovante. Ce qui me fascine personnellement le plus, c’est justement ce lien entre exploration et innovation et la question de savoir comment maintenir l’être humain en bonne santé et performant, même dans les conditions les plus extrêmes.
«Ce qui me fascine personnellement le plus, c’est justement ce lien entre exploration et innovation et la question de savoir comment maintenir l’être humain en bonne santé et performant, même dans les conditions les plus extrêmes.»
Vous avez passé un an à la station Concordia pour y étudier les effets des conditions extrêmes sur le corps humain. En quoi les soins médicaux dispensés dans une station de recherche isolée diffèrent-ils du travail dans un hôpital « traditionnel » ?
La vie à Concordia ne signifie pas seulement vivre dans des conditions environnementales extrêmes, mais aussi dans une autonomie presque totale. Pendant environ neuf mois, en raison des températures et des conditions météorologiques, aucune évacuation n’est possible, même en cas d’urgence médicale. Le simple fait de savoir cela change énormément de choses : la préparation, les protocoles médicaux, mais aussi la manière psychologique de vivre la mission. La prévention joue donc un rôle central. Tous les membres de l’équipage sont soumis avant la mission à des évaluations médicales et psychologiques très approfondies. Sur place, on apprend non seulement à vivre dans un environnement extrême, mais aussi à travailler avec des ressources limitées. Contrairement à un hôpital classique, il n’est pas possible de faire appel facilement à des spécialistes ou de disposer d’infrastructures complexes. Les procédures doivent donc être claires, robustes et aussi simples que possible.
Des entraînements réguliers et des simulations de situations de crise font également partie du quotidien. En parallèle, cela crée une dynamique d’équipe extrêmement forte. Chacun sait que l’on dépend les uns des autres sur le plan technique, médical, mais aussi humain.
Y a-t-il une expérience ou une anecdote de l’Antarctique que vous n’oublierez jamais et que vous aimeriez partager avec nous ?
Après une année passée en Antarctique, on accumule naturellement une multitude de souvenirs et d’anecdotes, allant de petits moments du quotidien à des situations que l’on ne vit probablement que dans un environnement aussi extrême, comme la perte d’une partie du bout d’un doigt après la congélation d’échantillons sanguins à –80 °C. Pendant la nuit polaire, même la vaisselle nocturne se transformait parfois en petite « disco » improvisée, simplement parce que ces rituels collectifs deviennent essentiels pour la dynamique de groupe et le moral de l’équipe. L’une des expériences les plus marquantes fut probablement notre record officieux de différence de température : passer d’un petit sauna installé dans un container à environ +90 °C directement à l’extérieur, où les températures atteignaient près de –96 °C. Bien sûr, ce n’est absolument pas quelque chose à reproduire. Mais ce qui m’a le plus marquée était autre chose : malgré l’isolement extrême, j’avais souvent le sentiment qu’il y avait moins de limites là-bas que dans la vie quotidienne. Dans un environnement qui paraît, à première vue, hostile à la vie, naît paradoxalement une sensation étonnante de clarté, de concentration et de conscience du moment présent. Peut-être justement parce que la vie y est réduite à l’essentiel.





